Der Unterschied zur Heimatuniversität.

Sonntag, 28.09.2014

Hallööchen aus dem verregneten Istanbul. Das Wetter spielt hier in den letzten Tagen verrückt. Es regnet, es blitzt und donnert, es ist kalt und nass. Erinnert stark an Deutschland

 

Seit 2 Wochen hat der Unterricht an der Uni angefangen, sodass ich einen ersten Eindruck diesbezüglich gewinnen konnte. Ich besuche nur 2 Kurse hier, die mir angerechnet werden können. Daher habe ich viel Freizeit. Meine Gastuniversität ist eine Privatuni, daher ist der Standard anders. Überall stehen Secruity Men rum, man kommt nur mit seiner Student ID-Karte ( bzw. für Erasmus Studenten die erste Zeit mit der Studienbescheinigung) in das Gebäude rein.

Meine Kurse sind jeweils am Donnerstag und Freitag Nachmittag. Während in Deutschland die Vorlesungen um die 2 Stunde dauern, hat man an meiner Gastuniversität 3 Stunden pro Vorlesung. Es gibt weder Übungen noch Tutorien. Laut Inhaltsverzeichnis der Vorlesungen werden einige Übungen in der Vorlesung durchgenommen. Die Anzahl der Studierende pro Vorlesung ist recht überschaubar. Erinnert mich an die Schulzeit. Der Inhalt der Vorlesungen und die dazu gehörende Literatur stimmt mit dem in meiner Heimatuniversität überein.

Das Englisch meiner Professoren ist recht gut, auch wenn sie mit Akzent sprechen. Freundlich und hilfsbereit. So konnte ich mich an mein Professorin von "International Economics" wenden und mir erklären lassen, wie die Prüfungen hier aussehen. An meiner Gastuni gibt es einen "Midterm" (November) und "Finalterm" (Januar), an denen die Klausuren geschrieben werden. Es werden Hausaufgaben oder Übungen aufgebeben, die man machen und einreichen muss. Zum Glück aber nicht für jede Vorlesung, sondern für alle 2 bis 3 Wochen.

Was mich besonders an den Vorlesungen nervt sind die Fragen der Studierenden, die immer auf Türkisch gestellt werden. Auch antworten die Professoren oft auf Türkisch zurück. Sowas kenne ich beispielweise aus Deutschland nicht. Ich hatte an meiner Universität schon viele Vorlesungen auf Englisch besucht und nie hat der Professor einfach ins Deutsche gewechselt oder das Fragen aus den Reihen der Studierende auf Deutsch gestellt wurden. Das verwundert mich wirklich sehr. Besonders wenn der Professor gerade was am erklären ist und ins Türkische wechselt, da verliert man direkt den Pfaden. Der Unterricht ähnelt dem der Schule sehr, der Studierende wird zur Mitarbeiter geleitet. Jedoch gibt es anscheinend keine Benotung dafür, was auch gut ist.

Die Bibliothek der Universität ist recht überschaubar, erstreckt sich über 3  Ebenen,  aber diese sind so klein, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass in der Prüfungsphase genug Platz für 100 Studierende verfügbar sei. Es gibt kaum Steckdose, um mit dem Laptop dort zu lernen. Dafür gibt es aber DVD Spieler und an der Rezeption kann man sich DVD's ausleihen. Drucker oder Scanner gibt es in der Bibliothek nicht, drucken kann man auf dem Uni Gelände. Aber das Scannen ist anscheinend nirgendswo möglich.

Die Bücher für die Vorlesungen sollte man sich selbst besorgen, was ein halbes Vermögen kostet. Daher versuche mir die Bücher zu scannen; für ein Semester lohnt es nicht nicht über 100 Euro für Bücher auszugeben.

Das Mensaessen war leider enttäuschend. Man zahlt um die 12TL ( ca 4.2 Euro) für ein Menü bestehend aus einer Hauptspeise, Suppe und Ayran ( türkischer Yogurt). Das Fleisch war zu durch und zu salzig, das Gemüse angebrannt, die Suppe ( Kartoffelsuppe) ok. Dass es teuer wird als an meiner Heimatuni war mir bewusst, aber das hier hätte ich nicht erwartet. Für eine Privatuni ist das definitiv zu schlecht. Um dem Campus herum gibt es zwar viele Restaurants, aber auf Dauer ist das leider sehr teuer.

Ich bin zum größten Teil enttäuscht von der Einrichtung der Universität. Von einer Privatuni hätte ich mehr erwartet, aber anscheinend haben die Studierende, die dort um die 10.000 bis 15.000 Euro für ein Semester zahlen, noch genügend Geld um die Defizite der Universität selbst auszugleichen. Das bisher Schönste an der Universität ist wirklich der Meeresblick!

 

 

 

So, vielleicht ändert sich noch der Eindruck.

Bis dahin <3

Shaffi

 

Erster Eindruck

Samstag, 13.09.2014

Hallöchen aus dem warmen Istanbul!

Nun bin ich seit fast einer Woche hier und es ist immer noch alles verwirrend. Die Stadt ist unglaublich groß, es laufen zu jeder Uhrzeit Menschen rum und man kann nie vorsichtig sein.

Am Montag begann die Orientierungswoche für alle aus dem Ausland kommenden Studierenden. Wir wurden in Gruppen gepackt und unsere Buddys zeigten uns die Universität. Sie ist unglaublich! Liegt direkt am Hafen, man kann einfach durch die Uni hindurch zum Hafen gelangen. Restaurants und Cafes überall. Sogar ein Starbucks hat die Uni!!! Auch wenn ich Starbucks überhaupt nicht mag Die Uni ist zumal auch super sicher; überall stehen Security Men, denen man seinen Studierendenausweis vorzeigen muss.

Während der ersten Woche musste ich unglaublich viele Behördengänge machen. Von A nach B über C zurück zu A. Unglaublich zeitintensiv. Man muss sein Handy freischalten, dafür benötigt man eine Steuernummer, dafür wiederum benötigt man die Hilfe der Buddys, weil niemand Englisch anscheinend kann. Handy freischalten, Anerkennung der Krankenkasse, Steuernummer holen. Und nebenbei versuchen sich nicht in dieser Stadt zu verirren. Die Menschen hier sind unglaublich unfreundlich und nicht hilfsbereich wie man es sonst immer erzählt bekommt. Verstehen wollen die einen auch nicht und arbeiten will schon niemand. Lieber schickt man einen von A nach B, nur weil der Drucker bei einem selbst nicht funktioniert und man das Einreisedatum auf der Kopie nicht erkennen kann. Man verliert die Nerven, wird stinkig und reizbar, weil anscheinend jeder einem das Leben schwer machen will. Nunja, das meiste ist zum Glück noch erledigt worden, während Papa hier war
Muss nur noch zur Ausländerbehörde oder so und mir einen Aufenthaltstitel hier holen, damit ich hier raus und wieder rein kommen darf.

 

Fazit der ersten Woche: Ich bin derzeit ziemlich enttäuscht von dieser "Metropole" Istanbul. Ich dachte wirklich, dass so eine große Stadt unglaublich fortschritlich sein müsste. Dass man nicht Angst haben müsste abends draußen unterwegs zu sein. Dass die Türken ein gastfreundliches Land sind. Aber dem ist derzeit nicht so. Istanbul ist wie aus mehreren Dörfern zusammengesetzt, es laufen hier viele komische Menschen rum. Männer schauen einen immer an, man ekelt sich regelrecht davor. Die Straßen sind gefährlich, weil jeder fährt wie er will und Füßgänger sowieso kaum Platz haben. Man muss unglaublich vorsichtig sein, dass man nicht überfahren wird. Die Menschenmenge engt einen an. Es ist nie richtig ruhig. Die Rufe aus den Lautsprechern der Minaretten sind so laut, keine Ahnung wie man das aushalten soll.

 

Ich hoffe wirklich sehr, dass die kommenden Wochen schöner werden.  

Ich vermisse Deutschland.

 

Shaffi